Dass Indien polarisieren kann, von den einen vehement verfochten- und von den anderen absolut gemieden wird, und auch sonst für seine Gegensätze bekannt ist, wird jedem klar sein.
Was mir jedoch nicht bewusst, jetzt aber umso deutlicher klar wurde, welche Vielseitigkeit und welch große sozialen Unterschiede hier in Indien auf engsten Raum aufeinandertreffen.
Was ist passiert? Wir „armen / reichen“ Studenten sind vor ein paar Tagen im „Anna restaurant“, einem halb schäbigen, halb luxuriös erscheinenden Restaurant in Udaipur, essen gegangen. Eigentlich wollte ich, wie meistens, gar nichts essen. Jedoch konnte mir das findige Personal mal wieder etwas unterjubeln. Zum Schluss wurden wir jedoch von unserem Kellner, Madhu, recht herzlich zu sich nach Hause auf ein traditionelles Frühstück eingeladen.
Wie alle halbwegs guten Filme/ Soaps/ Serien/ Romane gibt es mindestens zwei Handlungsstränge, so auch hier! Da wir in Udaipur sind, auch als die „Stadt der Seen“ bezeichnet, die Stadt in der 007: Octopussy gedreht wurde, und viele Paare sich das Jawort geben und das unübertreffliche Pferd „Chetak“ in einer Schlacht gegen den Maharana von Jodhpur fiel, haben wir uns gedacht, dass wir an so einem geschichtsträchtigen Ort unbedingt den Spuren von James Bond folgen müssen. Gesagt getan stand Monsun Palace und City Palace auf dem Programm. Zum Glück haben wir schon das Taj Mahal und Karl Marx Stadt aka Chemnitz abgehakt. Fehlt nur noch als Sahnehäubchen der Film an sich. Und wer sich nicht lumpen lassen will, geht natürlich nicht in die unzähligen „German Bakerys“, die neben allerlei Köstlichkeiten a la Apfelstrudel und Cinamon Roll auch den Bond Film in relativ schlechter Qualität als Abendveranstaltung vorführen – sondern geht ins Kino! Die Enttäuschung war groß, denn durch eine uns behilfliche junge Dame, Chahna, erfuhren wir, dass keines der Kinos das Objekt der Begierde im Programm hat. Dafür lud sie uns auf ein Abendessen ein.
Gesagt getan, in unmenschlicher Frühe aufstehen um im „besten Schlafsaal Indiens“ eine freie Dusche zu bekommen und um pünktlich – also Shanti Shanti, „indian time“ gegen/ nach/ 15min zu spät – bei der Brücke zu sein, wo Madhu uns abholen wollte um später für uns ein Frühstück herzurichten. Madhu ist ein typisch „indisch-magerer“, achtzehn jähriger Junge aus dem „vilage“, spricht halbwegs gutes „Indianenglisch“, war bis zur fünften Klasse in der Schule- länger durfte er nicht, da er zur Arbeit geschickt wurde, und ist mit einem siebzehn jährigen Mädchen (sie war bis zur 10. Klasse in der Schule) verheiratet (was seine Großeltern arrangiert haben). Dabei wohnt er fern ab seiner Familie in einem 2 mal 2 Meter großem Verschlag welcher durch eine 25 Watt Glühbirne erhellt und erwärmt wird und worin Waschnische, Kochecke und Schlaf sowie „Sitzgarnitur“ ihren Platz finden. Diese Koje kostet monatlich 1200Rs. Das Geld hierfür verdient er sich durch Schwarzarbeit im oben beschriebenem Restaurant. Sein monatlicher Lohn beträgt hier 3000Rs, was rund 42 Euro entsprechen.
Kochnische
Schlafplatz
Chapati "Ausrollvorrichtung"
Ganz anders sieht die Welt von Chahna aus. Mit 26 Jahren ist sie für indische Verhältnisse recht alt um unverheiratet zu sein. Fast schon untypisch! Auch ist sie wohl genährt und steht im recht stabil im Leben. So spricht sie beinahe perfektes Indischenglisch, betreibt ihr Business in Singapur und ihre Familie hat mehrere „guesthouses“ in verschiedenen Städten Indiens. Ihr verlobter Bruder hat gerade sein Studium in Melbourne, Australien abgeschlossen und fängt jetzt bei Lenovo (IBM) in Singapur an zu arbeiten. Kürzlich hatte er eine Operation, da ihm „Steine“ herausgenommen wurden – wahrscheinlich meinte sie Gallen- oder Nierensteine!
Ihr Vater besitzt ein Auto und zwei Dienstmädchen, wobei die jüngere von beiden (geschätzte sieben Jahre alt) mit im Haus wohnt und „Cooky“ – „kleine Köchin“ heißt. Unschwer ist zu erkennen, dass sie neben Schuhe anziehen, Geschirr spülen, Sauber machen und Mädchen für alles auch Kochen muss. Daher auch der Name…
Beide stammen aus einer Dienerkaste!
Ihr Vater besitzt ein Auto und zwei Dienstmädchen, wobei die jüngere von beiden (geschätzte sieben Jahre alt) mit im Haus wohnt und „Cooky“ – „kleine Köchin“ heißt. Unschwer ist zu erkennen, dass sie neben Schuhe anziehen, Geschirr spülen, Sauber machen und Mädchen für alles auch Kochen muss. Daher auch der Name…
Beide stammen aus einer Dienerkaste!
"Cooky"
Dass für uns die Gegensätze nicht krasser sein könnten brauche ich sicherlich nicht zu erwähnen. Zusätzlich kam noch der Realitätsfaktor, dass wir dies alles in weniger als 12 Stunden miterlebt haben, hinzu, der die Eindrücke verstärkt hat.
Jetzt liegen wir beide im hellen Schlafsaal und unserem warmen Schlafsack gekuschelt, und versuchen die uns heute gelieferten indischen Köstlichkeiten zu verdauen …
Als Digestif (ugs. Absacker) gibts noch ein paar Bilder!!!
Jetzt liegen wir beide im hellen Schlafsaal und unserem warmen Schlafsack gekuschelt, und versuchen die uns heute gelieferten indischen Köstlichkeiten zu verdauen …
Als Digestif (ugs. Absacker) gibts noch ein paar Bilder!!!
Lake Palace, Udaipur
Betgesang der Frauen in Jodhpur
Reisegruppe in Udaipur
"Fluss" oder besser Abwasseranlage in Jodhpur/ ganz Indien
"ordinärer" Rikshaw Wala
Gottheit des Hinduismus
Lake Palace bei Tag














Ja, diese Kontraste - bei unserem Kochkurs in Indien hatte die "Lehrerin" einen Master in Soziologie, zieht es aber vor in der Küche zu lehren und ihren Mann und Sohn zu verköstigen. Und all die tanzenden, singenden Kinder in Agra ... da merkt man erstmal wie "sauber" Delhi im Vergleich doch ist ... zumindest in den meisten Gebieten ... wünsche weiter gute Reise, auf bald, Schätzelein!!
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